Opel Geländesport 1.3ltr.

Opel Geländesportwagen Typ 2,5 Liter

Bauzeit: Januar 1936 - März 1938
Aufbauten: Stahlblech- und Aluminium-Karosserie, Geländesportwagen 2-Sitzer mit Sonderausstattung
Stückzahl: ca. 16

 

Geländesport – Gelände- und Prüfungsfahrten

 

Der Geländesport kam in Deutschland schon sehr kurz nach der Machtübernahme der Nazis auf. Organisator dieser Veranstaltungen war das Nationalsozialistische Kraftfahrtkorps (NSKK). Chef des NSKK und anderer motorisierter Unterorganisationen der NSDAP war Adolf Hühnlein.

 

Gesellschaftlicher Rahmen und Vorgeschichte

 

Bereits sehr kurz nach der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933 wurde auch der Sport neu ausgerichtet. Er deinte nun hauptsächlich der Kriegsvorbereitung. Einerseits war es nötig, Erfahrungen mit dem Betrieb von Automobilen über große Distanzen zu sammeln. Andererseits war es auch nötig, Kenntnisse und Fertigkeiten zum Umgang mit Kraftfahrzeugen im unwegsamen Gelände zu sammeln. Die Geländefahrten werden heute noch als Motor-Wehrsportübungen angesehen. Als Langstreckenprüfung wurden z.b. die “2000 km durch Deutschland“ zumindest 1933 und 1934 ausgetragen. Viel wichtiger/bedeutsamer für die nahe Zukunft war allerdings der automobile Geländesport.

 

Es gibt Überlegungen, die den Geländesport des dritten Reichs als eine Art Fortsetzung des englischen Trial-Sports sehen. Allerdings verdichten sich mehr und mehr Hinweise darauf, dass der Geländesport eher eine Art der mentalen und (verdeckten) Kriegsvorbereitung war.

 

Letztendlich wurden durch den Geländesport die Fähigkeiten ausgebildet, Fahrzeuge zügig im unwegsamen Gelände zu bewegen. Die strategische Bedeutung des Geländesports ist beispielsweise auch an dem Umstand zu erkennen, dass auch Unternehmen mit ganzen Mannschaften teilnahmen, die eher wenig mit Motorsport zu tun hatten: Die deutsche Reichspost beispielsweise beteiligte sich mt beachtlich personalstarken Mannschaften an den Geländeprüfungen.1) Möglicherweise eine Vorbereitung auf die postalischen Anforderungen in einem (durchaus schon geplanten) Krieg.

 

Durchführung der Veranstaltungen

 

Aus der heutiger Sicht sind die Veranstaltungen, die heute mit Geländesport bezeichnet werden paramilitärische Veranstaltungen, mit denen der Versailler Vertrag umgangen werden sollte und umgangen wurde. Die Veranstatungen wurden nicht selten in enger Zusammenarbeit mit der Reichswehr organisiert. Allerdings gab es derartige Zusammenarbeit zwischen dem ADAC und der Reichswehr auch schon vor der Machterlangung der NSDAP. Auch der AvD tat sich schon im Herbst 1932 mit der Forderung hervor, den Motorsport in den Rahmen des Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung (ging später in der SA auf) einzubeziehen. Die beiden großen deutschen Automobilclubs unterstützten in der damaligen Zeit die Umgehung des Friedensvertrag von Versailles also massiv. Der Grad dieser Unterstützung richtete sich allerdings durchaus nach den Vorlieben des betreffenden Gauleiters und seiner Bereitschaft, mit den in diesem Fall zuständigen NS-Organisationen SA, SS bzw. NSKK zusammenzuarbeiten.2)

 

Die Veranstaltungen selbst waren auch so vielfältig, wie es die Anforderungen eines eventuellen Krieges auch waren. Von Winter- über Gelände- bis zu Langstreckenfahrten reichte das Repertoire der zu absolvierenden Prüfungen. Auf sehr vielen historischen Bildern sind uniformierte beobachter zu sehen (was die militärische Bedeutung unterstreicht).

 

Opel-Beteiligungen an diesem Sport

 

Obwohl Opel sich in den zwanziger Jahren mit der ONS überworfen hatte, kamen die Opel-Mannschaften ab dem Jahr 1932 wieder in den deutschen Motorsport zurück. Opel nahm sowohl mit verschiedenen PKW-Modellen, aber auch mit Blitz-Lastwagen an den Prüfungen teil!

 

Opel setzte in den ersten Jahren (vermutlich optimierte) Großserienmodelle ein. Es wurden aber nicht nur PKW-Modelle eingesetzt. Auch der Opel Blitz ist in den Starterlisten zu finden!

 

Ab 1936 trat die Werksmannschaft mit dem Opel 2,0 Liter Geländesportwagen an. Dieser Wagen war speziell auf die Anforderungen der Gelände- und Langstreckenprüfungen hin konstruiert worden. Entsprechend hoch ist die Erfolgsbilanz des Wagens. Grade beim Geländesport der Dreißiger war Opel der dominierende Hersteller und der Abstand zur Konkurrenz entsprechend hoch! Zur Rennsaison 1937 wurde der Geländesportwagen nochmals verändert. Als markanteste Änderung wurde nun der 2,5-Liter-Motor der neuen Opel Super 6 verbaut. Das Ergebnis war der Opel 2,5 Liter Geländesportwagen.

 

Bekannte Veranstaltungen

1934

Datum Veranstaltung

14. – 16. Juni 1933 Dreitage-Harzfahrt

5. – 10. Februar 1934 Winterbewerb München-Oberstaufen

16. – 18. Februar 1934 Winterfahrt Garmisch

9. – 11. Mai 1934 Dreitage-Harzfahrt

26. Mai – 2. Juni 1934 1. Italien-Rundfahrt

10. Juni 1934 Brandenburgische Geländefahrt

21. – 22. Juni 1934 2000 km durch Deutschland

28. Juli 1934 Geländezuverlässigkeitsfahrt der Deutschen Kampfspiele

7. – 12. August 1934 Internationale Alpenfahrt

 

 

Fazit

 

Der Geländesport des dritten Reichs fand sicher vor dem Hintergrund eines angestrebten Krieges statt. Zwar gab es schon gegen Ende der Weimarer Republik Bestrebungen, die Ausbildung an und mit Kraftfahrzeugen stärker zu forcieren, aber auch damals sind schon viele Funktionäre auf verschiedensten gesellschaftlichen Ebenen dem Charisma des „böhmischen Gefreiten“ Adolf Hitler erlegen.

 

Der Geländesport letztendlich diente dazu, die Menschen für die kraftfahrtechnischen Belange des Krieges auszubilden und einen Erfahrungsschatz in bestimmten Unternehmen aufzubauen (warum sonst hätte die Deutsche Reichspost eigene Mannschaften zu diesen Geländeprüfungen gestellt?). Auch der Beschuss mit scharfer Munition über die Köpfe der Teilnehmer hinweg stützt die These der „Motor-Wehrsportübungen“!3)

Auf der anderen Seite dürfte der Geländesport auch merklichen Einfluss auf verschiedene Formen des Rallye-Sports nach dem zweiten Weltkrieg gehabt haben. Die Langstreckenprüfungen aus den Fünfzigern (z. B. die Tour d'Europe) dürften durchaus vom Geländesport des dritten Reichs beeinflusst worden sein.

 

 

Januar 1936:

War die Vorstellung auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung in Berlin. Die erste Kleinserie eines Wettbewerbfahrzeugs von Opel, bestellt bei den Karosseriewerken Autenrieth in Darmstadt -Spezialumbau mit tief ausgeschnittenem Einstieg, Aluminiumhaube, umlegbarer Frontscheibe, zwei Reserveräder in Heckmulde. Das Chassis vom Typ "Opel 6" mit verkürztem Radstand, Wanne unter dem Motorraum zum Schutz gegen Wasser und Schmutz, auf eine 30 cm erhöhte Bodenfreiheit, kurze Karosserieüberhänge für hohe Geländetauglichkeit, Spezial-Reifen. Ab Opel Werk geliefert mit Geländefahrt-Ausrüstung wie z.b. Spaten, Flaschenzug, Unterlegbrettern und stabilem Wagenheber.

Februar 1937:

Motor des Typs "Super 6" und verbessertes Bremssystem, erkennbar an neuen Lochfelgen mit großen

Radkappen. Mindestens acht Wagen mit der Technik des "Super 6" werden gebaut. Wagen im Werkseinsatz sind in hellbeige, für das NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrer Korps) wurden diese in silber lackiert.Chef des NSKK und anderer motorisierter Unterorganisationen der NSDAP war Adolf Hühnlein.

 

Motor: 2,5 Liter

Verbrennungsart: Otto

Zylinderzahl/Anordnung: 6 Zylinder in Reihe

Zylinderkopf/Motorblock: Graugus/ Grauguss

Hubraum in cm³: 1932

Bohrung x Hub in mm: 80 x 82

Leistung in PS/ min: 55/ 3500

Drehmoment in Nm/ min: 145/ 1600

Ventilsteuerung: ohv, Stirnräder

Schmierung: Öldruckumlauf

Gemischaufbereitung: Opel-Fallstromvergaser mit Beschleunigungspumpe

Kühlsystem: Wasserkühlung mit Ventilator und Pumpe

Zündsystem/Bordspannung: 2 Zündspulen, 2 Batterien 6V/ 75 Ah

 

Kraftübertragung

Kupplung/Bauart: Einscheiben-Trockenkupplung

Getriebe/Bauart/ Gänge: 3 Gang Schaltgetriebe

Schaltung: Mittelschaltung

Radantrieb, Bauart: Hinterradantrieb, Differential mit Spiralverzahnung

 

Karosserie/ Fahrwerk

Aufbau-/ Chassis-Konstruktion: Kastenrahmen mit Diagonalverstrebungen und Traversen

Vorderradaufhängung: unabhängig mit Reaktionsstrebe, Spiralfeder, doppelt wirkende hydraulische Stoßdämpfer im Federgehäuse (Dubonnet-Lizenz)

Hinterradaufhängung: Starrachse, Press-Stahlgehäuse, halbelliptische Blattfedern, hydraulische Stoßdämpfer, Stabilisator

Räder/Bauart: Stahlscheibenräder

Reifen/Dimension: 5,50 x 16, vorn Straßenprofil, hinten Geländeprofil, zwei Ersatzräder

 

Lenkung/Bremsen

Lenkung/Bauart: Schnecken Segment-Lenkung

Fußbremse: hydraulische Vierradbremse Svstem Lockheed

Vorderradbremse: Trommel

Hinterradbremse: Trommel

Handbremse: Seilzug aufdie Hinterräder

 

Maße und Daten

Radstand in mm: 2390

Spurweite vorn/hinten in mm: 1257/ 1260

Länge/Breite/Höhe in mm: 3620/ 1540/ 1470

Leergewicht in kg: 1100

Zuladung in kg: 500

Tankinhalt in Liter: 2 x 55 mit je einer elektrischen Benzinpumpe

Verbrauch ca. in Liter/ 100 km: 12,5 (bei 70 km/h)

Höchstgeschwindigkeit km/h: 103

Grundpreis in Reichsmark: 5.000,-

 

 

 

 

Links & Quellen


Konrad Buschmann, Die Deutsche Reichsport im Motorsport in: Archiv für deutsche Postgeschichte 1/92, Frankfurt 1992, S. 33 – 45

Eckhart Bartels, Opel Militärfahrzeuge 1906 – 1956, Eggolsheim (Jahr unbekannt)

Dorothee Hochstetter, Motorisierung der Volksgemeinschaft, München 2005

Adam Opel AG (Hrsg.), Opel im Sport 1934, Frankfurt/Main 1934

Hans-Jürgen Schneider, 125 Jahre Opel - Autos und Technik, Köln 1987

Lengert, Muche, Königshausen, Weber, Opel – Motorsport mit Tradition, Königswinter 2002, S.

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